Eine interessante Entwicklung ist an der Datenschutzfront auszumachen:
Während sich die breite Öffentlichkeit in Deutschland (übrigens NUR in Deutschland) noch über läppische Außenaufnahmen von Häusern via Google Streetview aufregt, macht Apple in den USA bereits den Big Move in Richtung Totalüberwachung – Oh, Entschuldigung, ich meine natürlich Rundumbetreuung – seiner I-Phone-Kunden.
Mittels Patentantrag 20100207721 möchte Apple die künftigen I-Phone-Nutzer mit diversen Killerfeatures beglücken, so dass sie eigentlich gar nichts mehr machen brauchen außer den fünf Primärbedürfnissen Atmen, Schlafen, Essen, Trinken, Fortpflanzen.
Mit dem Argument des Schutzes vor Missbrauch soll das I-Phone dann z.B. selbständig Fotos des Nutzers machen sowie Gespräche mitschneiden und an Apple schicken. Das nenne ich einen interessanten Service, denn ich sehe da – ohne Witz – im Zuge allgemeiner Angst vor Überwachung und Terrorgefahr, aber auch vor Terrorverdächtigungsgefahr im Fall der Fälle einen Vorteil auf Seiten des Nutzers in Koop mit Apple.
Denn sollte man je einmal in die Situation kommen, aus welchem Grund auch immer, von der Polizei, dem BKA oder der CIA unberechtigterweise als Terrorist verdächtigt zu werden, können diese Aufnahmen nämlich zur persönlichen Entlastung beitragen. Wenn man also z.B. vielleicht einmal in einem Telefonat das Wort Bombe erwähnt hat, das durch einen blöden Zufall von einem potentiellen Bundeskeywordscanner aufgezeichnet wurde, so dass plötzlich ein SEK vor der Haustür steht, kann man vielleicht die Herrschaften noch dazu bringen, bei Apple anzurufen, um von wertneutraler Seite zu erfahren, dass sich die Bombe z.B. auf eine leckere Yoghurt-Eisbombe bezog, die man gerade verlustierte oder vielleicht auch auf die schnittige Blondine, die einem in der Straßenbahn gegenüber saß. Ähnliches gilt übrigens auch für Daten, die Google speichert.
Ich sehe also durchaus diverse Gefahren und Risiken im Zuge einer immer transparenten Datenwelt, aber wo Risiken sind, sind auch Chancen. Es kommt eben wie immer darauf an, was man daraus macht oder mit sich machen lässt, und auch mit Krankheiten lässt es sich leben. Sogar mit Applelepsie. Als Appleleptiker hat man immerhin den Vorteil, dass Apple wirklich jederzeit weiss, ob man noch lebt und ein Telefon bedienen kann.

Allerdings würde ich mir von Mister Jobs genauso wie von allen anderen Unternehmern wünschen, dass sie endlich mal diese beliebten Deckmäntelchen abstreifen und die Dinge einfach mal beim Namen nennen, wie sie wirklich sind. Denn die Kunden sind wirklich nicht (mehr) so blöd, wie sie manche vielleicht gerne hätten. Und daran sind z.B. auch Google, Apple, Facebook und alle anderen Vertreter der It- und Vernetzungsbranche “Schuld”.
Ja, das habt Ihr gut gemacht. Auch Sie, Mr. Jobs. Deshalb könnten Sie doch ruhig so cool sein, Ihre Kunden frei entscheiden zu lassen, in welchem Netz sie sich bewegen und mit welcher Software sie arbeiten möchten. Dann wären Sie wirklich eine coole Sau und dann kaufe ich mir vielleicht auch mal ein Produkt von (Big) Apple.
Jetzt tätige ich aber erst einmal ein paar Telefonate. Mit meinem Blackberry.